Die Diakonie trommelt unter dem Motto „Trommeln - Thesen - Türen“

Gemeinsame Aktion am bundesweiten Tag der Pflege in Gummersbach

Die diakonischen Pflegeeinrichtungen im Oberbergischen Kreis nutzten erneut den internationalen Tag der Pflege, um lautstark und unter Trommelwirbel auf die Situation der Pflege aufmerksam zu machen.

In der Fußgängerzone waren in Anlehnung an das Lutherjahr Türen aufgestellt, an denen Passanten und Mitarbeitende ihre Wünsche an die Politik und ihre Erwartungen an die Pflege anschlagen konnten. „Die Diakonie Oberberg fordert die Bundesregierung auf, endlich das Thema Pflege grundlegender anzupacken und bessere Rahmenbedingungen für Pflegebedürftige, pflegende Angehörige und Pflegekräfte zu schaffen“, so Sebastian Wirth, Geschäftsführer der Diakonie vor Ort gGmbH - stellvertretend für die diakonischen Einrichtungen im Oberbergischen Kreis.

Die Pflegereform kommt nach ersten Rückmeldungen und Auswertungen nur unvollständig bei neuen Pflegebedürftigen an. „Sie greift deutlich zu kurz und scheint das befürchtete Einspargesetz zu sein. So wird der neue Pflegegrad 5 kaum zugeteilt. Dabei war gerade dieser für schwer demenzkranke Menschen vorgesehen.“ Auch das Thema Behandlungspflege wurde angesprochen. Im ambulanten Bereich werden teilweise für eine halbe Stunde Behandlungspflege nur knapp 9 € von den Krankenkassen gezahlt. Damit müssten zwangsläufig Pflegezeiten gekürzt werden. Und in der stationären Pflege müssten die ärztlich verordneten Leistungen von den Pflegebedürftigen faktisch selbst bezahlt werden, obwohl sie volle Krankenkassenbeiträge bezahlen. Dies sei schon seit Beginn der Pflegeversicherung ein Fehler im System.

„Die Diakonie Oberberg will deshalb dem Anliegen für eine finanziell besser ausgestattete Pflege Gehör verschaffen und dabei niemanden im Regen stehen lassen“ so Wirth weiter in Anspielung auf das durchwachsene Wetter. An die Passanten wurden während der Trommelaktion Blumen sowie Teebeutel verteilt, mit der Aufforderung, sich an der Aktion zu beteiligen. Die Möglichkeit wurde reichlich genutzt - die Türen waren gut beschriftet.

Anja Köhler von der Diakonie Nümbrecht gab einen ersten Überblick: „Die meisten Nennungen bezogen sich auf mehr Zeit für eine würdevolle Pflege. Sie zu bezahlen dürfte nicht zu Lasten der Patienten gehen“, so Köhler. Es gäbe aber auch viel Verständnis für die Pflegenden, deren Tätigkeit gut bezahlt werden sollte. „Dies wird von den diakonischen Einrichtungen bereits berücksichtigt“, so Wirth zum Abschluss. „Die Mitarbeitenden werden nach den höchsten Tarifen in der Pflege bezahlt und Verbesserungen - wie die Prämie für das „Holen aus dem Frei“ - ist zum Teil schon eingeführt. Damit wolle man einen aktiven Beitrag zur Aufwertung der Pflege leisten und diese nicht nur bei anderen einfordern.“

Zur Information:  Die diakonischen Einrichtungen der ambulanten, teilstationären und stationären Pflege sind zusammen der größte Anbieter von Pflegeleistungen im Oberbergischen Kreis. Sie bieten neben den klassischen Angeboten auch viele niedrigschwellige Angebote der Betreuung und stehen an ihren Standorten zur Beratung zur Verfügung.

Es werden 11 Altenheime, 3 Tagespflegen und 8 Diakoniestationen betrieben. Mit fast 1.200 Beschäftigten bei ca. 700 Vollzeitstellen werden im Jahresdurchschnitt mehr als 1200 Patienten ambulant versorgt und im stationären Bereich ca. 1.000 Plätze bereitgestellt. Weitere Informationen unter www.diakonie-oberberg.de.